Presseberichte

Wer ist eigentlich Paul?
Lokalkolorit und Lebensphilosophie - "Wer ist eigentlich Paul?" im Rhein Neckar Theater

08. April 2019/Autor: Franz Schneider 

Markus Beisel hat Mut. Denn als Intendant, Regisseur und Autor drei Wochen vor Ostern ein Stück uraufzuführen, das von einem Selbstmordversuch an Heiligabend handelt, dazu bedarf es dann schon einer bestimmten Zutat. Der Liebe natürlich, zum Rhein Neckar Theater Mannheim, zu seinem Publikum, zu makabren Scherzen.

Davon hat seine neue Komödie "Wer ist eigentlich Paul?" reichlich. Dieser Paul hat es auch verdient, ein Mietshausgriesgram, der verfrühte Sternsinger mit Orangen bewirft und der durchnässten Nachbarin die Tür weist. Früher war er ein Meisterkoch mit Restaurant, seit dem Krebstod seiner Frau ist er ein Pedant im fürchterlichen Merry-Christmas-Pullover, der seinen Selbstmord durch Absprung im Detail geplant hat. Kühlschrank leer, Telefon abgemeldet, Abschiedszettel an die Wand gesteckt. 

Da es sich um eine Komödie handelt, geht der Witz von den Störungen und Störern aus, die Paul Winter vom Vorhaben abhalten, zunächst ein der deutschen Grammatik nicht ganz sicherer Gammel-Pizza Bote, dann die überarbeitete und einsame Nachbarin von oben, die sich ausgesperrt hat, schließlich eine Original "Monnemer" Pseudo-Nonne, die sich mal im breiten Dialekt den Orangenwerfer vorknöpft. Dazu montiert Markus Beisel in Rückblenden melodramatisch Szenen aus Pauls früherem Eheleben, in denen er seine totkranke Frau pflegt.

Hier steckt sehr viel drin und die Kombination aus unappetitlichen Ekelwitzen, Lokalkolorit und Lebensphilosophie braucht es auch, damit alles zusammenhält, was an Heiligabend zusammenkommt. Da ist es das Rezept für einen perfekten Gänsebraten, bei dem man echt Hunger kriegt. Das verhindert dann auch den Sprung, aber Paul ist es eh zu kalt und zu hoch, wie er wiederholt von seinem ans Fenster gestellten Stuhl bemerkt. Da wundert es nicht, dass er am Ende "immer noch net unne is".

Oben auf dagegen war darüber das wohl begeisterungsfähigste Theater-Publikum der Region. Es lachte bald über jedes Wort und dankte sofort stehend mit Euphorie dem Ensemble mit einer wirklich tollen Petra Mott in ihrer Soppelrolle als Nonne und verstorbener Ehefrau, zudem Selma Kirschner als zerquälter Nachbarin mit unbedingt zu wiederholender Sessel- Akrobatik, dazu dem urkomischen artikulationsbeeinträchtigten Denis Bode und natürlich besonders Michael Hanreich, der mit seinem Paul mal so richtig zeigen kann, was er drauf hat- und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Quelle:© Rhein Neckar Zeitung, Montag, 08.04.2019




Neckarau Mit einer turbulenten Tragikkomödie landet das Rhein Neckar Theater einen großen Publikumserfolg
Missverständnisse und Irrwege im Namen der Liebe

24. April 2019/Autor: Sylvia Osthues

Dass sie nicht nur Mitglieder von Neckaraus Lachfabrik sind, sondern auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, eine gute Figur abgeben, bewiesen die Schauspieler des Rhein Neckar Theaters bei zwei Theateraufführungen. „Wer ist eigentlich…Paul?“ hieß die Tragikomödie aus der Feder von Regisseur Markus Beisel, die dem Theater an zwei Abenden ein nahezu volles Haus und dem Publikum drei überaus unterhaltsame Stunden bescherte. Es ist Heiligabend: Glocken klingen, Plätzchen duften und die Gechenke liegen bereit. Die bewährten Mimen des Rhein-Neckar Theaters hatten sich wieder bestens vorbereitet und präsentierten ihren Gästen eine herzergreifende Geschichte mit vielen Missverständnissen rund um Liebe und Tod.
Zum Inhalt: Natürlich ist es nicht nett, vom dritten Stock eine Nonne mit Orangen zu bewerfen – und das ausgerechnet an Heilig Abend.
Und natürlich wäre es auch angebracht dem rotzfrechen Lieferjungen Robert Berger (Denis Bode) Trinkgeld zu geben, weil er in dieser Nacht freiwillig eine Schicht übernommen hat, auch wenn das kleinkriminelle Schlitzohr die Pizza mit Pilzen anliefert, die ja wohl niemand auf seiner Pizza mag. Und natürlich wäre es eine Sache der Menschlichkeit, der völlig chaotischen Nachbarin Tammy Schneider (Selma Kirschner) eine warme Zuflucht zu bieten, weil sich das dusselige Weib ausgesperrt hat und sonst frierend in der Kälte auf einen Schlüsseldienst warten müsste. 
Allerdings hat Paul Winter (Michael Hanreich) etwas vor und er möchte sich von niemandem abhalten lassen: „Das Gefrierfach ist abgetaut, der Telefonanschluss ist gekündigt, das Klopapier ist weggeworfen und der Müll ist runtergebracht.“
In Rückblenden wird die Geschichte von Paul erzählt und seiner inzwischen verstorbenen Frau Elisabeth (Petra Mott). Doch dem trauernden Witwer will es nicht gelingen, seinem Leben ein Ende zu setzen, denn immer wieder tauchen kuriose Gestalten auf. Was folgt, ist das obligatorische Durcheinander, das seinen Höhepunkt erreicht, als auch noch die mit Orangen beworfene Nonne (Petra Mott – herrlich schräg mit Kurpfälzer Dialekt) in Pauls Wohnung auftaucht. Und Kleinganove Berger will die Gunst der Stunde nutzen, um fette Beute in der augenscheinlich entleerten Wohnung zu machen.
Dass am Ende alles gut wird, wissen die Zuschauer ja. Aber bis es soweit ist und sie aufatmen können, bleibt es spannend, und das Publikum hatte viel Spaß an der Handlung, der Leistung der Schauspieler und deren Mimik, die oft regelrechte Lachsalven im Saal auslöst. In einem turbulenten Finale wendet sich alles zum Guten. Ein Sparbuch für „Notfälle“ bringt die Sache ins Rollen. Paul schöpft neue Hoffnung. Die Nonne schwingt den Kochlöffel und ein festliches Weihnachtsmenü kann beginnen. Und Robert bekommt neben einem Ausbildungsplatz auch noch seine Tammy.

Quelle:© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 24.04.2019

Information zum Stück: → Details

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